Neuerer Fachwerkbau

 - Franz Hart

Neuerer Fachwerkbau

Neuerer Fachwerkbau
A23 Neuerer Holzgerippebau A22 Neuerer Fachwerkbau

Das Haus von Schmitthenner auf der Holzbau-Mustersiedlung auf dem Kochenhof in Stuttgart 1933 zeigt eine hiervon abgeleitete verfeinerte Konstruktion: Die Balken sind in das umlaufend verbreiterte Rähm eingekämmt; damit werden 2 Wandbalken gespart, die Wandausbildung ist von der Balkenrichtung unabhängig.

Für die Wandausfachung und damit für die äußere Erscheinung des Fachwerkbaues gibt es 4 Möglichkeiten: Die sichtbare Ausmauerung in Backstein (178) oder Bruchstein bestimmt mit ihrer Dicke die Tiefe der Hölzer (übliche Querschnitte: Pfosten, Riegel, Streben 12/12 bis 12/14, Schwellen und Rähme 12/16). Die Steine mit dem Holzgerüst außen bündig sind gehalten durch seitlich auf die Pfosten und Streben aufgenagelte Dreikantleisten oder durch eingeschlagene verzinkte Nägel in den Lagerfugen. Der Wärmeschutz muß durch eine innere Verkleidung, z. B. aus verputzten Leichtbauplatten mit Pappzwischenlage, erhöht werden.

Der felderweise Verputz, bündig oder 2 cm vor die Holzfläche vortretend (A22), läßt ebenfalls das Holzwerk in Erscheinung treten. Dieses muß ebenso wie bei der sichtbaren Ausmauerung durch Imprägnierung geschützt werden; man kann es auch zusammen mit dem Putz überkalken.

Der volle Verputz (179) darf mit dem Holz nicht in Berührung kommen. Das wird dadurch erreicht, daß die Ausmauerung - am besten Schwemmsteine oder Lochziegel - nach außen 2 cm vortritt und Drahtziegelgewebestreifen trägt, die die Holzteile überbrücken.

Die äußere Verschalung der Fachwerk- und Holzgerippewand kann in zwei Formen ausgeführt werden, - senkrechte Schalung überluckt oder mit Deckleisten (179, A23) - waagrechte Stülpschalung, an der auf Gehrung geschnittenen Ecke wie an den Stößen mit Deckbrettern versehen (181). Die senkrechte Schalung ist die dauerhaftere, bei ihr folgt das ablaufende Wasser der Holzfaser. Für die innere Wandfläche stehen zur Wahl: Putz auf Leichtbauplatten, senkrechte Holzschalung, Verkleidung mit Holzfaser- oder Preßspanplatten. Dichtung und Wärmeschutz werden durch innere und äußere Pappzwischenlagen, Leichtsteinausmauerung od. wärmedämmende Füllstoffe (Glaswolle, Steinwolle) erzielt.

Bei der Ausbildung des Sockelanschlusses ist jeweils besonders darauf zu achten, daß sich in der Fuge zwischen dem gemauerten oder betonierten Sockel und der Fußschwelle kein Wasser ansammelt. Die Fußschwelle wird mit Bitumenpappe unterlegt, an den Löchern für die Verankerungseisen sorgfältig gedichtet.

Die Auswahl zwischen den genannten Möglichkeiten der äußeren Gestaltung ist nur beim Fachwerkbau gegeben, bei den modernen Holzgerippebauweisen verschwindet das Skelett stets hinter Schalung oder vollem Verputz. Diese Bauweisen sind dadurch gekennzeichnet, daß die Pfosten vom Fundament bis zum Dach durchlaufen, das Schwinden also so gut wie ausgeschaltet ist. Sie nehmen ihren Ausgang von der amerikanischen Holzhauskonstruktion, die seit etwa 150 Jahren zu einigen Standardausführungen entwickelt [Balloon frame (182), Western frame, Draced frame], dort den Wohnhausbau beherrscht. Als Ständer und Balken sind Bohlen mit genormten Querschnitten in etwa 45 cm Abstand angeordnet, alle Verbindungen sind genagelt. Die Verstrebungen fallen fort, die Längsaussteifung wird durch diagonale Schalung gebildet.

Die deutschen Holzgerippebauweisen arbeiten mit stärkeren Hölzern - 10/12 cm, 12/12 cm für zweigeschossige, 14/14 cm für dreigeschossige Bauten - in Abständen von etwa 1,20 m.

  • Stroh

    Die Professur für Kreislaufgerechten Holzbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) präsentiert dieses umfassende Nachschlagewerk zum nachhaltigen Bauen mit Stroh. Stroh bietet großes Potenzial für eine klimagerechte Baukultur: Es ist regional verfügbar, kostengünstig, CO2-speichernd und vollständig kreislauffähig. Die Publikation vermittelt Wissen über konstruktive, rechtliche und gestalterische Möglichkeiten auf nachvollziehbare, kritisch reflektierte und praxisnahe Weise. Sie dokumentiert Ergebnisse aus Lehre und Forschung, beleuchtet realisierte Projekte und zeigt konstruktive Prinzipien, Detaillösungen sowie gestalterische Potenziale. Hochwertige Fotografien, Pläne und Grafiken vermitteln die Inhalte anschaulich.