Früh morgens schon strömen von allen Seiten Menschen in den Park. Sie joggen um den See, gehen ins Schwimmbad oder treffen sich zum Yoga auf dem Hügel, der den Blick über die Stadt freigibt. Das Olympiagelände in München hat heute einen festen Platz im Alltag der Stadt. In den ehemaligen Sportlerunterkünften wohnen Studierende, die Pressestadt der Spiele ist heute eine beliebte Wohnanlage mit Einkaufszentrum, zu den Konzerten in der Arena kommen Musikfreunde aus der ganzen Welt - und überhaupt, der Olympiapark! Eine grüne Insel in München, gut erschlossen und mitten in der Stadt. 50 Jahre nach den Olympischen Sommerspielen sind die Gebäude von damals beliebt und belebt - eine Seltenheit. Denn welche Olympiastadt kann schon behaupten, die Infrastruktur der Spiele samt ihren Bauten sinnvoll und längerfristig in die Stadt integriert zu haben und auch Jahrzehnte nach den Spielen noch zu nutzen?
Die heiteren Spiele
1966 wurde die Sommerolympiade an München vergeben. Die Folgen dieser Entscheidung für die Stadtentwicklung insgesamt nahmen schnell Gestalt an und zeigen bis heute Wirkung. Der mutige prämierte Wettbewerbsentwurf von Günter Behnisch & Partnern schlägt ein Ensemble aus Architektur und Landschaft vor. Bei der Planung wurde die Nutzung nach den Spielen bereits einbezogen - ein Konzept mit Weitblick! Hinzu kommt natürlich die einmalige Zeltdachkonstruktion von Frei Otto, sie gab dem Charakter der Spiele ein unvergleichbares Gesicht. Als "heitere" Spiele wollte sich München vom Missbrauch Olympias durch die Nationalsozialisten 1936 absetzen, auch mithilfe von Otl Aichers gelungenem Kommunikationskonzept. Doch dann ereignete sich der Terroranschlag, er überschattet das Großereignis. Heute ist die Erinnerung an die Spiele noch präsent und fest im Stadtbild verankert. Was wäre München ohne den Sommer 1972? Im Architekturmuseum der TU München sind die Planungen für die Spiele nun in einer umfassenden Olympia-Ausstellung dokumentiert, die auch zeitgenössische kritische Stimmen am Konzept der Spiele aufgreift.
