1934 war die Hochbahntrasse für Güterzüge eröffnet worden, um den unfallträchtigen Bahnverkehr auf Straßenniveau entlang Manhattans West Side abzulösen. Fabriken und Lagerhäuser waren direkt angebunden, die Züge konnten teils bis in die Gebäude einfahren. 1980 kam das Aus für den rostigen Schienenstrang. Grundstückseigentümer entlang der Strecke forderten daraufhin den Rückbau, einige Anwohnern jedoch erkannten den Wert der inzwischen grün wuchernden Trasse als friedliches Idyll. 1999 gründeten sie die Initiative »Friends of the High Line«, mit dem Ziel, die Strecke zu erhalten und zum öffentlichen Raum umzuwidmen. Glücklicherweise erwies sich die alte, gusseiserne Konstruktion als tragfähig genug, einen neuen Park aufzunehmen.
Linear verlegte, schmale Betonplatten, die an den Enden ausfransend in Schotterbeete übergehen oder sich mit scheinbar liegengebliebenen – in Wahrheit jedoch wieder verlegten – Gleisen verzahnen, finden sich als wiederkehrendes Motiv über die ganze Länge des High Line-Park wieder. Aus dem Belag erheben sich an diversen Stellen fließend Fertigteile, die wiederum in Holzbänke übergehen. So mäandert der Weg auf der 10 bis 20 m breiten Trasse sanft hin und her. Leichte Aufkantungen der Platten markieren die Ränder zu den »Grasslands« und »Woodlands«, die punktuell gesetzten Mini-Geländer wären wohl nicht zwingend nötig. Andere Beete sind in Cortenstahl gefasst, der auch an einigen Aufgängen Verwendung findet.
Vorgefundene Raumsituationen sowie neu entworfene Elemente rhythmisieren das lange, schmale Band. An der 13. Straße überspannt das jüngst erbaute Standard Hotel von Polshek Partnership Architects den Park, etwas weiter nördlich teilt dieser sich auf unterschiedliche Höhenniveaus oder taucht durch das Chelsea Market Building hindurch. Hier, in einem halboffenen Tunnel, sind wechselnde Kunstinstallationen geplant. Besucher können sich auch auf verschiebbaren Holzliegen vor dem Hudson-Panorama entspannt niederlassen oder von hölzernen Sitzstufen durch großformatige Scheiben das Großstadttreiben an der 10. Avenue betrachten. Entlang der ganzen Strecke bieten sich großartige Ein- und Ausblicke auf Stadt und Fluss und ein sich rapide wandelndes Quartier. Der ehemalige Bauch und Hinterhof Manhattans erlebte in den letzten Jahre einen mächtigen, immer noch anhaltenden Schub der Gentrifizierung. Wo ehedem Fleischereien und Gewerbebetriebe das Bild prägten, breiten sich nun trendige Restaurants und Boutiquen aus, etwa der von Junya Ishigami entworfene Laden für Yohji Yamamoto an der Gansevoort Street. Der Park wertet die Gegend noch weiter auf – und zieht Investoren teurer Luxusapartments an, die sich gerne mit bekannten Architekten schmücken. So entsteht an der 23. Straße gerade das »HL23« von Neil Denari und an der 19. Straße Shigeru Bans »Metal Shutter Houses«, direkt neben Frank Gehrys ICA Building. Zwischen südlichem Parkaufgang und Hudson folgt bis 2012 Renzo Pianos Downtown-Ableger des Whitney Museum.
